Schützt unser Wasser!
Statement zur AMK-Bilanz
Schutz des Wassers bleibt auf der Strecke – Strafzahlungen werden wahrscheinlicher
Bei ihrem Treffen in Würzburg haben die Agrarminister*innen keinen Fortschritt erzielt und das Wichtigste erneut aufgeschoben: den Schutz unseres Wassers. Es droht ein weiteres Jahr ohne Schutz in den besonders mit Nitrat belasteten Regionen. Der Beschluss der Agrarministerkonferenz würde einen Flickenteppich von Düngeregeln ergeben. Dieser wird einer Prüfung durch die EU kaum standhalten. Damit drohen Deutschland erneut Strafzahlungen.
Wir fordern von den Minister*innen aus Bund und Ländern, dass sie rechtssichere Regelungen beschließen, die Überdüngung verhindern und den Pestizideinsatz senken – und den landwirtschaftlichen Betrieben Planungssicherheit geben. Die Landwirt*innen, die Wasser und Umwelt schützen, müssen gezielt gefördert werden – auch für unsere Gesundheit, die Artenvielfalt und das Klima.
Wasser ist unsere Lebensgrundlage. Doch nur zwei Drittel des Grundwassers in Deutschland sind in einem guten Zustand. Schadstoffe wie Nitrat oder Pestizide verunreinigen das Grundwasser – und erhöhen damit die Kosten für die Aufbereitung unseres Trinkwassers, dem wichtigsten Lebensmittel.
Ein Problem ist die Überdüngung unserer Böden. Pflanzen können nur einen Teil der Nährstoffe aufnehmen, der Rest wird ins Grundwasser und die Gewässer geschwemmt. Die Folge: An einem Viertel der bundesweiten Messstellen überschreitet die Stickstoffverbindung Nitrat den Grenzwert im Grundwasser. Belastetes Wasser kann für Menschen gefährlich werden, vor allem aber bedroht zu viel Nitrat Böden und biologische Vielfalt.
Ein weiteres Problem ist der steigende Einsatz von Pestiziden. Die sogenannten „Pflanzenschutzmittel“ sollen Ernten vor Pilzen, Beikräutern und Insekten sichern. Doch sie bekämpfen auch nützliche Bodenorganismen und gelangen in Gewässer, wo sie unsere Gesundheit und die Umwelt bedrohen. Auf deutschen Äckern landen jedes Jahr rund 30.000 Tonnen Pestizide.
Die Agrarminister*innen von Bund und Ländern kennen die Probleme. Doch nicht der Schutz unseres Wassers steht auf ihrer Tagesordnung, sondern der als „Bürokratieabbau“ beschönigte Abbau von Regelungen, die uns schützen sollen. Dem gegenüber stehen viele Landwirt*innen, die Wasser und Umwelt schützen wollen, dafür aber ausreichend honoriert werden müssen. Bund und Länder sind in der Verantwortung, den Weg für eine bäuerliche, ökologischere Landwirtschaft freizumachen!
Deshalb protestieren wir bei der Agrarministerkonferenz in Würzburg!
Von Landwirt*innen bis Umwelt- und Naturschützer*innen: Gemeinsam setzen wir ein Zeichen für eine bäuerliche, ökologischere Landwirtschaft.
Wir fordern von den Agrarminister*innen von Bund und Ländern:
Schützt unser Wasser! Wir haben Überdüngung und Pestizide satt!
"Intakte Ökosysteme sind keine Konkurrenz zur Landwirtschaft – sie sind ihre Grundlage. Die Agrarministerkonferenz muss eine klare Entscheidung treffen: für eine Landwirtschaft, die mit der Natur arbeitet, nicht gegen sie. Das heißt: Schluss mit einem System, das Böden auszehrt und entwässert.
Wir müssen Wasser in der Landschaft halten: durch Humusaufbau, durch den Schutz von Mooren, Auen und Grundland, durch Agroforst. Das Wasser soll da bleiben, wo der Regen fällt: auf dem Acker, wo die Pflanze wächst."
Rita Rott, BUND Naturschutz in Bayern
"Beim Düngerecht haben die Bundesregierungen jahrzehntelang versagt. Die Intensivdüngung geht nicht nur zu Lasten des Trinkwassers. Sie hat verheerende Wirkung auf die Artenvielfalt. Genauso ist es mit den „Pflanzenschutzmitteln“. Die Agrarministerkonferenz will den Rückwärtsgang einlegen und Zulassungen vereinfachen. Das ist der falsche Ansatz. Wir brauchen strengere Zulassungsverfahren.
Wir fordern die Agrarminister*innen auf, nicht nur Symptome zu bekämpfen und von Hilfszahlung zu Hilfszahlung zu stolpern. Wir brauchen in Deutschland eine Transformation des Agrar- und Ernährungssystems."
Matthias Luy, Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern
"Die Deregulierung des Düngerechts trägt dazu bei, dass für das unverzichtbare Lebensmittel Nummer 1 – sauberes Wasser – unkalkulierbare Kostensteigerungen auf die Bevölkerung in tierdichten Regionen zukommen können.
Agrarminister Rainer hat eine funktionierende Verordnung für die Nährstoffbilanz gekippt und damit das zentrale Wasserschutzinstrument zerstört. Die Agrarminister*innen in Bund und Ländern handeln in massivem Widerspruch zum Konsens der Borchert- und ZKL. Wir fordern, den Wasserschutz auf rechtlich planungssichere Beine zu stellen – statt weiter handwerklich mangelhaft an den Regeln für den Schutz unseres Wassers herumzufuhrwerken."
Reinhild Benning, Deutsche Umwelthilfe
"Ohne Wasser können wir keine Lebensmittel erzeugen. Wichtig ist, dass wir gesunde Böden haben, die das Regenwasser aufnehmen, speichern und filtern können. Bio schützt Wasser und erzeugt gleichzeitig Lebensmittel. 1,8 Milliarden Euro wurden durch ökologische Landwirtschaft 2025 an Wasseraufbereitungskosten eingespart.
Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) entscheidet, welche Landwirtschaft wir in Zukunft haben werden. An die Agrarministerinnen und -minister: Schafft Rahmenbedingungen für eine Landwirtschaft, die unsere Böden gesund hält!"
Tamira Zöller, Biokreis
Mehr Infos zu Überdüngung und Pestiziden
Wie können wir unser Wasser vor Übernutzung und Verschmutzung schützen – und das Menschenrecht auf Wasser stärken kann?
WASSERATLAS DER HEINRICH-BÖLL-STIFTUNG
Wie sieht ein zukunftsfähiges Düngerecht aus?
Was muss die Bundesregierung tun, um den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren?