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Wer mit Liebe kocht, kann nicht auf Produkte zurückgreifen, die auf Ausbeutung beruhen!

Ole Plogstedt begleitet mit der Roten Gourmet Fraktion seit 25 Jahren Tourneen von Bands wie Die Toten Hosen und sorgt für ihr leibliches Wohl. Lange Zeit kochte er im Fernsehen und macht sich für eine konzernfreie Küche stark, in der Konzerne wie Coca Cola und Nestlè tabu sind. Als Kampagnen-Botschafter für die Entwicklungsorganisation Oxfam hat ausbeutungsfreie Ernährung für ihn eine neue Dimension bekommen. Ole wird am 20. Januar auf unserer Abschluss-Kundgebung sprechen  und seine Vision einer solidarischen Küche erklären.

 

Ole, du bist mittlerweile seit ein paar Jahrzehnten Koch. Was ist für dich nach all der Zeit immer noch besonders am Essen?

Das Schöne am Essen und am Kochen ist, dass man den Leuten als Koch etwas Gutes tun kann. Essen ist so ziemlich das Intimste was es gibt, denn es geht einmal durch den gesamten Körper. Essen ist gleichzeitig essentiell. Wer gut genährt ist, ist gut drauf.

Worauf achtest du beim Einkaufen?

Wer mit Liebe kocht, kann nicht auf Produkte zurückgreifen, die auf Ausbeutung beruhen oder bei der Herstellung massiv die Umwelt belastet haben. Das widerspricht sich einfach total. Dagegen versuche ich in meinem kleinen Küchen-Kosmos aktiv zu werden.

Nahrungsmittel haben für dich also eine politische Dimension?

Ich habe in Ecuador gesehen, unter welchen Bedingungen Bananen angebaut werden und kann sie seitdem im Laden nicht mehr mit den gleichen Augen betrachten. Das Obst wird so massiv mit Pestiziden behandelt, denen die Landarbeiter meist schutzlos ausgesetzt sind. Sie werden krank dadurch  und bringen Kinder mit Behinderungen zur Welt. Das richtet so viel Schaden an und sät so viel Leid, nur damit wir die „perfekt“ aussehende und super billige Banane in den Einkaufskorb packen können – das ist nicht hinnehmbar und extrem dekadent.

Aber sind Aussehen und Frische der Ware nicht auch oft Kennzeichen einer guten Küche?

Das ist ein weit verbreitetes Bild, dem auch viele meiner Berufskollegen anhängen. Dabei wissen wir mittlerweile alle Bescheid über die Dimensionen der Lebensmittelverschwendung und wie viele Menschen auf der Welt an Hunger und Mangelernährung leiden. Und dann kommen wir und wollen nur High-End-„Qualität“, während alles andere respektlos dem Food-Waste zum Opfer fällt. Das muss aufhören, diese Zeiten sind vorbei!

Wie kann man diesem System, in dem alles frisch und perfekt sein muss, etwas entgegen setzen kann?

Ich fänd es toll, wenn es eine Preisstaffelung geben würde. Ganz frische Sachen einerseits und ältere Lebensmitteln andererseits, die immer noch super verwendbar, aber nicht mehr taufrisch sind. Das würde verhindern, dass so viel Essen einfach in der Mülltonne landet und es wäre preislich plötzlich sogar attraktiv, der Wegwerfgesellschaft den Riegel vorzuschieben.

Sind deinen Gästen mittlerweile andere Sachen beim Essen und Genießen wichtiger geworden, als das früher der Fall war?

Ich habe als Catering-Koch ja viel mit Künstlern und deren Crew zu tun. Bei denen gab es auch vor 25 Jahren schon einen relativ hohen Anteil an Vegetariern und Leuten,  die sich bewusst ernähren. Insgesamt habe ich das Gefühl, dass das ein langsamer, aber stetiger Prozess ist, der da abläuft.

Die KonsumentInnen merken also langsam, worum es geht?

Es gibt da eine Schere. Auf der einen Seite gehen viele Verbraucher auf immer billiger und billiger. Auf der anderen Seite werden sie kritischer und hinterfragen mehr, wo ihre Lebensmittel herkommen und was sie da eigentlich essen.

Sollte man sie also zum dazu ermutigen, mehr nachzufragen?

Klar. Man darf dem Konsumenten aber auch gar nicht die komplette Verantwortung in die Schuhe schieben. Wir haben ein Systemproblem. Man kommt mit der individuellen Entscheidung, regionales Gemüse zu kaufen auch nur bedingt weiter. Gutes Essen gibt es nicht umsonst und das muss man sich erstmal leisten können. Letzten Endes geht das alles zu Lasten des kleinen Bürgers, der sich gerne viel bewusster ernähren würde, es sich aber nicht leisten kann.

Gemeinsam mit Oxfam machst du dich ja auch für einen Systemwechsel stark.

Meine erste Kampagne für Oxfam war „Keine Entwicklungshilfe für Agrarkonzerne“. Unter dem Deckmantel der Entwicklungshilfe wird Großkonzernen wie Monsanto und Bayer Tür und Tor geöffnet, um sich die Märkte im Globalen Süden unter den Nagel zu reißen. Aufgrund unserer Kampagne wurde die German Food Partnership vom BMZ fallen gelassen. Erfolge sind also da.

Am Samstag schlagen wir Alarm gegen die Agrarkonzerne und du sprichst als Redner auf der Bühne. Warum?

Mir ist es enorm wichtig, auf die aktuellen Missstände aufmerksam zu machen. Ich würde die Leute gerne darin bestärken, sich zu wehren und Widerstand zu leisten. Der Druck von der Agrarlobby ist groß und die Akteure sind finanzstark. Wir müssen uns solidarisieren und gemeinsam dagegen halten. Wenn ich dazu etwas beitragen kann, bin ich dabei und bringe meinen Kochtopf mit!