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„Im Gegensatz zu anderen Höfen haben wir das gesamte Jahr über ein sicheres Einkommen.“

Markus Pohland betreibt mit zwei Kolleg*innen die SoLaWi Klein Trebbow. Inmitten der mecklenburgischen Seenlandschaft setzen sie auf eine Solidarische Landwirt-schaft und ein ganzheitliches Kreislaufprinzip. Doch nur ein Drittel des Landes, auf dem sie wirtschaften, gehört ihnen. Der Rest steht nun zum Verkauf. Da sie sich den Kauf aus eigenen Mitteln nicht leisten können, haben sie eine Crowdinvest-Kampagne gestartet. Wir haben mit Markus über Solidarische Landwirtschaft, Landkonzentration und die EU-Agrarreform gesprochen.

Markus, wie bist du zur Landwirtschaft gekommen?

Meine Eltern haben diesen Hof 1981 übernommen und im Nebenerwerb ostfriesische Milchschafe gezüchtet. Ich wollte nach meinem Abitur eigentlich Kunstgeschichte oder Bühnenbild studieren. Da mich die Landwirtschaft schon immer interessiert hat, habe ich mich aber spontan entschieden Agrarwirtschaft zu studieren. Während verschiedener Praktika habe ich auch die handwerkliche Verarbeitung, unter anderem die Verkäsung und Wursterzeugung, in verschiedenen Manufakturen erlernt.

Was war dir wichtig beim Aufbau des Hofes? Was baut ihr an? Haltet ihr auch Tiere?


Für mich stand immer fest, dass ich Landwirtschaft als ganzheitliches Kreislaufprinzip betreiben möchte. Unsere Produkte sollen von Anfang bis Ende hier erzeugt werden. Ich habe bereits während des Studiums die ersten Hochlandrinder auf den Hof geholt. Danach kamen noch die ostfriesischen Milchschafe, Enten, Gänse, zwei Zuchtsauen und ein Eber dazu. Seit diesem Jahr bauen wir auch Gemüse an. Bei dem Sandboden ist das aber eine große Herausforderung. Doch wir haben verschiedene Wege gefunden, um die Fruchtbarkeit des Bodens zu steigern.

Wie kann man sich das genau vorstellen?


Wir nutzen den Mist aus der Geflügelhaltung, also von Enten und Gänsen, und aus der Schafhaltung. Über den Winter haben wir eine Laubmatte auf den Acker gebracht – als Nahrung für die Kleinstlebewesen. So versuchen wir die Fruchtbarkeit des Bodens zu steigern.

Gänse, Enten und Schafe liefern die Nährstoffe für den Boden (Foto: © Christoph Busse)

Ihr betreibt ja eine Solidarische Landwirtschaft – warum habt ihr euch dafür entschieden?

Ich habe den Hof über zehn Jahre lang im Nebenerwerb aufgebaut und stand dann vor dem Problem, dass ich mich auf einen Bereich hätte spezialisieren müssen. Dann hätte ich nur auf die Milchschafe setzen können, da ich die Fläche hier auch nicht erweitern kann. Das widersprach aber meinem Bild der Landwirtschaft. Deshalb habe ich die SoLaWi mit einer Freundin und einem Freund initiiert.

Und was bedeutet SoLaWi für euch?


SoLaWi heißt bei uns, dass wir in erster Linie einen festen Monatsbeitrag für die Ernteanteile anbieten. Wir bieten drei verschiedene Ernteanteile an: für Molkereiprodukte, Fleisch und Gemüse. Die Mitbäuerinnen und Mitbauern, oder auch Abnehmer*innen, zahlen den festen Monatsbeitrag und bekommen dafür ihre Ernteanteile. Mitbäuerinnen und Mitbauern bezahlen nicht das Produkt, sondern die landwirtschaftliche Tätigkeit. Somit ist das Ganze eine gemeinschaftsgetragene Landwirtschaft.

Was ist der Vorteil für euch am Prinzip Solawi?


Durch die festen Beiträge haben wir eine gute Planungs- und Abnahmesicherheit und sind marktunabhängig. Wir können zudem sehr bedarfsgerecht produzieren. Alles was geerntet wird, verteilen wir auch. Es wird nichts weggeschmissen, wir haben keine Überproduktion und keine unnötigen Verpackungen. Die Leute bringen ja ihre eigenen Behälter mit. Im Gegensatz zu anderen Landwirt*innen haben wir das gesamte Jahr über ein sicheres Einkommen. Dazu verteilen sich Risiken, wie zuletzt der Ernteverlust durch die Dürre, solidarisch auf eine ganze Gemeinschaft.

 

 

SoLaWi bedeutet gemeinschaftlich Landwirtschaft betreiben (Foto: ©Christoph Busse)

Ihr seid ja gerade dabei Geld einzusammeln, um Land zu kaufen. Warum ist es für junge Leute so schwierig, sich eine Zukunft auf dem Land aufzubauen?

Wenn ich als junger Landwirt Land kaufe, würde sich der Kaufpreis zu Lebzeiten nicht mehr amortisieren. Das liegt einfach daran, dass ich auf 50 Hektar nie so viel erzeugen könnte, um das Geld zurückzahlen zu können. Das ginge nur, wenn ich das in großem Stil mache und dann auf Masse produziere. Das wollen aber viele junge Leute nicht. Sie wollen mit der Umwelt zusammenarbeiten und sie nicht einfach nur ausbeuten.

Wir sehen ja, dass immer weniger Konzerne immer mehr Land besitzen. In Deutschland besitzen elf Prozent der Betriebe mehr als 55 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen. Welche Maßnahmen müssten aus eurer Sicht gegen Landkonzentration unternommen werden?


Ich denke, dass schon damals bundeseigenes Land nicht hätte privatisiert werden dürfen. Konzerne, die nichts mit Landwirtschaft zu tun haben, sollten auch keinen landwirtschaftlichen Boden erwerben dürfen. Es gibt zwar Regelungen dazu, aber die werden sehr gern umgangen. Meiner Meinung nach sollten junge Landwirte bei der Landvergabe bevorzugt werden. Große Konzerne haben nicht unbedingt das Interesse, das Land zu verbessern oder nachhaltig zu bewirtschaften. Es geht da nur darum die schnellstmögliche Rendite zu erzielen. Wir sollten lieber Genossenschaften wie Kulturland, BioBoden, Ökonauten usw. unterstützen.

Aktuell wird ja die EU-Agrarreform auf den Weg gebracht. Wofür müssten die 60 Mrd. Euro im Jahr künftig verwandt werden, wenn es nach euch ginge?

Generell sollten diese Subventionen nicht mehr flächenbezogen ausgeschüttet werden und die erste Säule der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) sollte nach und nach abgeschafft werden. Das ganze Geld sollte lieber in die zweite Säule fließen, wo u.a. umweltrelevante Maßnahmen gefördert werden.

Genau dafür gehen wir ja im Januar auf die Straße. Was ist eure Botschaft an die Bewegung? Wofür schlagt ihr im Januar Alarm?

Politik sollte sich mehr darauf konzentrieren, regionale Kreislaufwirtschaften zu unterstützen und nicht nur davon reden. Für kleine Erzeugerbetriebe geht es vorrangig darum, bürokratische Hürden abzubauen. Am Ende liegt natürlich alles in der Hand der Verbraucher*innen. Die Menschen sollten sich bewusstmachen, dass sie, wenn sie nur 10 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben, sich selbst und der Umwelt keinen Gefallen tun.